Der Kunstfreund Domagk

Der Heimat- und Kultur-Verein Dahme präsentiert Malerei in Dahmeshöved – eine Hommage an den Kunstfreund Prof. Dr. Gerhard Domagk

Ein Ort der Entspannung und Sammlung ist seit 1933 das Sommerhaus von Prof. Dr. Gerhard Domagk, Nobelpreis-Träger für Medizin 1939, an der Ecke von Dahmeshöved. Hier findet er Entspannung, schöpft beim Wandern und Segeln neue Kraft für seine intensive Forschungsarbeit bei BAYER in Wuppertal.

 

Gerhard Domagk ist nicht allein einer bedeutendsten Medizinforscher und berufener Arzt. Seine große Zuneigung gilt der Natur und der Kunst in all ihrem geistigen Schaffen, allem voran aber der Malerei. Seit Beginn seines Studiums in Kiel hat er neben seinem Medizinstudium Vorlesungen in zeitgenössischer Kunst belegt und die Werke der Maler in vielen Kunsthallen und Ausstellungen aufgesucht. Eine „Sternstunde“ der Begegnung mit moderner Malerei erfährt er 1918, als er nach der Rückverlegung seines Regimentes von der belgischen Front nach Deutschland dem unerwarteten Glück begegnet, vom Gründer und Direktor des Volkwang-Museums in Hagen persönlich und allein durch die Sammlung moderner Malerei geführt zu werden. Dabei macht er seine erste Begegnung mit den französischen Impressionisten, aber auch mit Bildern von Christian Rohlfs und Emil Nolde.

So kam es nicht von ungefähr, dass er zunehmend Kontakt zu den Malern seiner Zeit suchte und fand. Es entwickelten sich tiefe Freundschaften, die lebenslang aktiv blieben. Als langjähriger Vizekanzler des „Ordens Pour le mérite für Kunst und Wissenschaft“ hielt er für viele seiner Maler-Freunde die Verleihungsreden, wenn sie als neue Mitglieder in diesen Orden aufgenommen wurden.

 

Besonders zu Emil Nolde entwickelte sich eine unverbrüchliche Freundschaft, die neben seinen häufigen Besuchen in seinem Atelier-Anwesen Seebüll in Nordschleswig durch 57 Briefe dokumentiert ist. Durch den ersten großen deutschen Expressionisten Christian Rohlfs hat Gerhard Domagk Emil Nolde persönlich kennen gelernt, von dem er zeitlebens begeistert war. Wegen seiner starken Farben in oftmals leuchtenden komplementären Farbkontrasten in dessen leidenschaftlich gestalteten Naturgeschehen und menschlichen Kompositionen hielt Domagk Nolde für den großen „Zauberer“ der Farben.

 Zu diesen großen Malern des Expressionismus empfand er tiefe Gefühle, weil beide Maler neben vielen anderen im Zeitgeist der nationalsozialistischen Kunst seit 1933 systemkritisch beobachtet und im Juli 1937 in diffamierender Weise den Vertretern der sogenannten „entarteten Kunst“ zugeordnet wurden. Was viel schlimmer und existenzvernichtender für diese Künstler war: viele wurden mit einem öffentlichen, durch Befehl und Gesetz des „Postkartenmalers“ Adolf Hitler und seiner gleichgesinnten Entourage verfügten Ausstellungs- und Malverbot belegt. Domagk sollte 1939 selbst die Härte dieses Regimes erfahren: bei Verhängung einer einwöchigen Gefängnisstrafe während der Nobelpreis-Verleihung in Stockholm wurde ihm die Entgegennahme des Nobelpreises für Medizin verboten.

Fritz Bürger, der bekannte deutsche Bildhauer, sucht 1952 den Medizinforscher Gerhard Domagk in seinem Haus in Dahmeshöved auf, um dort selbst die Maße für eine Bronzebüste abzunehmen.

Zu einer ersten und sehr nachhaltigen Begegnung mit Otto Dix, dem großen deutschen  Portraitmaler des 20. Jahrhundert, kommt es 1953 im Hause Domagk in Wuppertal. Dix möchte ein Bild Noldes aus dem Besitz von Domagk ansehen. Bei dieser Gelegenheit entsteht bei Dix der Wunsch, den berühmten Wissenschaftler Domagk zu portraitieren. So fertigt er vor Ort alle Skizzen für das Portrait an, das von der Farbenfabrik BAYER erworben wird und dort ihren berühmtesten Forscher repräsentiert.

In Würdigung dieser Ereignisse und zur Erinnerung an den standhaften Kunstliebhaber Prof. Dr. Gerhard Domagk werden seit 2015 auf dessen Grundstück an der Ecke von Dahmeshöved jährlich im Sommer Malerei-Ausstellungen präsentiert. 2018 stellte zum 5. Mal der Maler Wilhelm Voigt aus Heidgraben Bilder in seiner unverkennbaren Spachtel-Technik mit holsteinischen Orts- und Landschaftsansichten, besonders von blühenden Rapsfeldern Ostholsteins aus. Voigt war Schüler des bekannten, recht früh verstorbenen Malers Jürgen Runge aus Cismar.

Nach 2016 stellte Alexander Roppelt aus Hamburg-Neuenfelde zum zweiten Mal seine thematisch sehr breitgefächerten Ölbilder aus. Roppelt ist als Open-Air-Maler ein klassischer Vertreter des Impressionismus der St. Petersburger Schule. Neben seinen grandiosen Impressionen von Landschaften, Meer- und Küstenbildern präsentierte er sich den vielen Besuchern wieder als ein pinsel- und farbensicherer Portrait-Maler.

Pfingsten 2019 ist zum ersten Mal auch der Hamburger Grafik-Designer Björn Kirste mit dabei, der sich seit einiger Zeit immer mehr mit dem Illustrieren und der Malerei beschäftigt. Kirste ist heute einer der vielseitigsten und spannendsten Künstler und wir freuen uns eine Auawahl seiner Werke in Dahmeshöved zu sehen.

Der „Heimat- und Kulturverein Dahme e.V.“ hat mit dieser trotz des Wettereinbruches gut besuchten und erfolgreichen Ausstellung eine weitere Palette seines Engagements um das Ostseeheilbad Dahme eröffnet.

 

 

 Uwe Landschoof 2019

6. Kunsttage auf Dahmeshöved 31 am 8. - 10. Juni 2019 mit den Künstlern

Alexander Roppelt

Landschafts- und Portraitmaler aus der Schule russischer Expressionisten.

Hat schon mehrfach in Dahmeshöved ausgestellt.

Wilhelm Voigt

Ein alter Bekannter. Stellt schon zum 6-ten Mal in Dahmeshöved aus. Berühmt und beliebt für seine Landschaftsmalereien  in Spachteltechnik.

Björn Kirste

Angler, Grafiker, Karrikaturist, Akt- und Portraitmaler, der die unterschiedlichsten Techniken beherrscht und auch Kurse gibt.