Schwungsläden

und weitere Geschichten von Uwe Landschoof

Schwungsläden

Vor der Jahreswende von 1899 zum neuen Jahrhundert gab es mitten in Dahme noch einen Dorfteich, wo sich heute die Gedenksteine für die gefallenen Dahmer der letzten beiden Weltkriege befinden.  Zu der damaligen Zeit hatte dieser Teich eine wichtige Versorgungsfunktion für die Anlieger. Die Bewohner konnten dort kostenfreies Wasser für ihre Wäsche schöpfen, das Vieh tränken und hatten im Brandfall Löschwasser zur Verfügung. Neben dem Teich an der Zuwegung zum Bauernhof von Otto Mumm, heue Klaus Specht, lag schon sehr früh das gefällige, aus gelblichen Ziegelsteinen erbaute Pensionshaus von „Miete“ Niemann.

 

Mitten in diesem Dorfteich befand sich ein tief in den Untergrund gerammter stabiler Eichenpfahl. Sein eigentlicher Verwendungszweck blieb unbekannt. Er könnte zum Anbinden eines kleinen Bootes bei Feuerwehreinsätzen gedient haben. Auf das schon seit Ende des Herbstes herbeigesehnte Wintererlebnis allerdings war die Vorfreude der älteren Schüler aus der etwa fünfzig Meter entfernten Dahmer Dorfschule ausgemacht groß. Heute befindet sich etwa an der Stelle der alten Schule das  Pensionshaus Plambeck. Nicht auszuschließen, dass es einigen der erwartungsvolleren und wagemutigeren Schülern so ergangen ist wie dem Jungen im Gedicht „Das Büblein auf dem Eis“: Einbrechen nicht ausgeschlossen! 

Auf jeden Fall wurden reichlich Proben und Bewertungen vorgenommen, bevor das Eis zum gefährdungsfreien Betreten durch die Schüler freigegeben wurde, nicht unter maßgeblicher Beteiligung der beiden Lehrer! Dann kam das große Ereignis: der Schwungschlitten. 

 

An einer langen stabilen Leine wurde ein großer Schlitten an einen eisernen Ring gebunden, der weit genug war, um sich frei um den eingerammten Pfahl in der Teichmitte drehen zu können. Während der Pausen unter ordnender Aufsicht bezogen die Schüler ihre vom Lehrer zugewiesenen Plätze. So fand eine Gruppe von zwei bis drei großen Schülern sich immer am hinteren Ende des Schlittens.

 

 Dann mussten die großen Jungen zeigen, was sie konnten. Am Schlittenende fassten sie an und brachten den Schlitten in immer schneller werdende Drehbewegungen, wobei sie aus Leibeskräften laufen mussten und nicht hinfallen durften.  Für die kleineren hieß es, sich richtig festzuhalten, um nicht von der Fliehkraft vom Schlitten geschleudert zu werden, was auch zur Belustigung der Umstehenden geschah. Bei beginnendem Tauwetter mit stehendem Schmelzwasser auf dem Eis des Dorfteiches fand das winterliche Pausenvergnügen oftmals ein schnelles Ende. Eines war ihnen aus ihrer Erfahrung sicher: der nächste Winter kommt bestimmt. Die Meteorologen unserer heutigen Zeit  können da nicht so sicher in ihren Prognosen mehr sein.



Weitere Geschichten kommen bald...