Chronik des Ortes Dahme ca 1830 - 1945

Zeittafel

ab ca 1830   Erste Häuser werden für die Aufnahme von Gästen                                   ausgebaut und vermietet.

1851                wird ein großer Teil des Ortes durch eine Feuersbrunst eingeäschert.

1853                 Am ersten Juni 1853 teilt der Gastwirt Christan Wulff in einer Anzeige mit: „Vielfachen Anforderungen entsprechend, habe ich mich entschlossen, hieselbst eine Vorkehrung zur Benutzung des Seebades zu treffen und meine Wirthschaft so einzurichten, daß fremde Badegäste unter billigen Bedingungen ein anständiges Unterkommen finden können.“

1855                 In der Topographie von  Schröder/Biernatzki wird Dahme als „ein ziemlich ansehnliches und volkreiches Dorf mit 569 Einwohnern sowie drei Wirtshäusern, von denen eines mit einer Seebadeanstalt verbunden ist“ bezeichnet.

1866                Dampfschiffverbindung zwischen Dahme und Lübeck bzw. Nysted/Nyköping in Dänemark.

1867                „Besitzergreifungspatent“ – nach über 400 Jahren                                    unter dänischer Herrschaft werden Dahme und                                          Schleswig-Holstein  preußische Provinz.

 1871               am 1. Mai Pflanzung der Friedenseiche in Dahme.

1872                In der Nacht vom 12-13. November ertrinken in Dahme zehn Personen in der schwersten Sturmflut seit Menschengedenken. 20 Häuser werden von den Fluten dahingerissen und 50 weitere stehen nur noch als Ruinen da. 51 Familien mit 300 Personen werden obdachlos - mehr als die Hälfte der Bevölkerung.

1871-75         Erstellung von 10 Gemarkungskarten für die Gemarkung Dahme (Urvermessung) durch die preußische Administration.

1874-77         Das Zollhaus wird abgerissen (1874) und ein neuer, stärkerer Deich wird gebaut.

1878/79         Bau des Leuchtturms in Dahmeshöved.

1881               „offizielles“ Gründungsjahr des Ostseebades Dahme.

1898                baut Niklaus Rohde die erste Halle am Strand, mit Tischen, Stühlen und Fußboden im Sommer. Er betreibt auch die erste Warmbadeanstalt mit 7 Wannen und Ostseewasser.

1898/99         In Meyers Reiseführer von 1899 wird Dahme als „holsteinisches Dorf an der Ostsee mit 560 Einwohnern und kleinem Hafen“ bezeichnet. „Ein aufstrebender Badeort mit breitem, steinfreien Strand und lebhaftem Wellenschlag, der jährlich von etwa 2000 Gästen (meist Hamburgern) besucht wird.“ Die Kurmittel werden als primitiv bezeichnet. Bäder sind jedoch im Pensionspreis von 3,50 M inbegriffen. Verkehrs-verbindungen: Mit der Eisenbahn über Eutin nach Lensahn und dann im Wagen oder Omnibus in 2 h nach Dahme. Alternativ mit dem Dampfer von Lübeck (3x wöchentlich) oder Travemünde (4x wöchentlich in 3 h).

                               Als Gasthöfe werden genannt: Hotel Hamburger Heim – modernes Haus, Strandhotel – Garten, Gasthof Mumm – Garten, Pension Heinrich Mumm – Veranda und Garten. Pensionen: H. Höppner, Haus Erholung, Zur Linde, Germania, Schidlowsky (mit Seeaussicht), B. Resthöft und Peter Resthöft (beide gelobt), Dahmer Hof, Kitzerau und Villa Elisabeth. Preise 4-4,50 M. Einbooten 50 Pfg. Verbindung wie vorher. Kurtaxe wird erhoben

1899                H.C. Puck gründet einen Kolonialwarenhandel an der Seestr. 16, der 1911 in das Haus an der Seestr. 29 verlegt wird.

1903/04         Paasch-Eyler-Allee

1908                Genossenschaftliche Licht- Und Kraftzentrale, die 1919 von der Gemeinde übernommen wird.

1908                Kanalisation des Ortes

1909/10         In Meyers Reiseführer von 1910 wird schon von 4000 Gästen gesprochen, ruhigem und einfachen Aufenthalt, gute Verpflegung (Hamburger Küche). : Hotel Hamburger Heim (Schöning), Strandhotel  (Kitzerau), Ostseehotel (Mumm), Pensionen H Mumm , Höppner, Zur Linde, Germania, Schidlowsky.

1911                Dampferbrücke wird gebaut. Bis dahin mussten Gäste von den Fischern ein- und ausgeschifft werden.

1912               südliche Uferschutzmauer (Wandelbahn aus Betong-                              platten), die später nach Süden ausgebaut wird.

1914/18        Erster Weltkrieg

1920               Zentralbadeanstalt mit Damen/Herren und Kinderbad

1924               Bebauungsplan für das Strandgebiet. Errichtung einer Lesehalle.

1925             Wasserwerk zur Trinkwasserversorgung

1927             Kanalisation am Strand, 2 Tennisplätze

1928            Katholische Kapelle an der Paasch-Eyler Allee

1931            Dahme feiert sein 50-jähriges Bestehen als Ostseebad

1933            Durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wird der Ufer- schutz verstärkt und die Dorfstraße asphaltiert. Schießplätze werden in den Dünen angelegt. Die Einwohnerzahl beträgt jetzt 780.

1938             Entwässerungsanlage mit Schöpfwerk (allgemein als Schleuse bezeichnet) führt zur Trockenlegung des Gruber und Dahmer Sees. 

 

1939/45      Zweiter Weltkrieg

                       Keine Naturkatasstrophe wütete so stark wie der Krieg. Der Ort verliert über 100  Männer in beiden Kriegen.

Urvermessung durch die Preußen

Die größten Landbesitzer damals waren Marius Friedrich Fick (15%),  Heinrich Fick (12%).  Franz Mumm (Wirt und Großkäthner, 6%), Theodor Hagelstein (Wirt, 6%) und Heinrich Mumm (6%).
Urvermessung der Gemarkung Dahme durch die Preußen 1874

Die größten Eigner 1874 waren :

Fick, Marius Friedrich, Parzellist (15%)

Fick, Heinrich, Parzellist (12%)

Mumm, Franz, Wirth und Großkäthner (6%)

Hagelstein, Theodor, Wirth (6%)

Mumm, Heinrich, Großkäthner (6%)

Resthöft, Friedrich, ½ Hüfner (4,5%)

Prüss, Hinrich, ½ Hüfner (4,3%)

Prüss, Adolf, Kleinkätner (4,1%)

Kruse, Wilhelm ½ Hufner (3,1%)

und Babbe, Franz Heinrich, Wirth und Großkäthner (2,5%).

August Grehn war Ortsvorsteher und Ambauer.

 

Bevor der neue Deich 1874-77 gebaut wurde lief die Dahmer Au ungefähr da wo jetzt das Strandhotel ist in die Ostsee. Die Umleitung über den Dorfteich und den Dahmer See zur Schleuse erfolgte erst danach.

Im Fischerdorf (ünner Dörp - siehe oben) gab es das Haus von Fischer Rohr schon. Andere Besitzer waren:

 

55

Tamm, Adolf, Bäcker und Parzellenbesitzer

Haus mit Garten

59

Hagelstein, Theodor, Wirth; ab 1896/97: Babbe, Karl Wilhelm, Johannes, Gross-Käthner

Haus mit Garten

 

 

 

63

Kitzerau, Friedrich, Fischer und Bödner

Garten 1 ar 23 kvm

64

Babbe, Friedrich, Rademacher u. Anbauer

Garten 1 ar 17 kvm

65

Stark, Johann, Schuster u. Bödner

Hausgarten  1 ar 69 kvm

66

Rohr, Johann, Fischer u. Anbauer

Hausgarten  1 ar 74 kvm

67

Rohr, Johann, Fischer u. Anbauer

Haus/Hof 89 kvm

68

Babbe, Friedrich, Rademacher u. Anbauer

Hausgarten

69

Babbe, Friedrich, Rademacher u. Anbauer

Haus/Hof

70

Babbe, Friedrich, Rademacher u. Anbauer

Haus/Hof

71

Babbe, Friedrich, Rademacher u. Anbauer

Garten

72

Babbe, Friedrich, Rademacher u. Anbauer

Unland

73

Wesseker-Gruber Deichverband

Unland

74

Petersen, Karl, Müller u. Bödner

Unland

75

Erich, Heinrich, Kleinkäthner

Unland


Die große Sturmflut 1872

Dahme war die Gemeinde, die am Härtesten von der Sturmflut betroffen war - siehe Link unten "Ut de ole Tid". Nicht nur wurde der größte Teil des Dorfes zerstört, die Fluten forderten auch 10 Menschenleben im Ort. Am Schwersten traf es die Familie Rohr - siehe Link unten "Dahmer Profile" Oschi Rohr und die Familie Rohr.

Gleichzeitig waren die Folgen der Sturmflut auch ein Neubeginn, der rasanten Entwicklung Dahmes zu einem modernen Ostseebad.


Wandel vom Fischer- und Bauerndorf zum Ostseebad

Die Abschaffung der Leibeigenschaft 1785 in Zusammenhang mit der Aufteilung des Dahmer Hofes schufen die Voraussetzung dafür, dass auch gemeines Volk sich Landeigentum anschaffen konnte.

Ende des 18. Jhds. entstanden auch die ersten englischen Badeorte, als das Baden im Meer aus gesundheitlichen Gründen modern wurde. 

1793 und 1803 entstanden dann mit Heiligendamm und Travemünde die ersten deutschen Ostseebäder. Es dauerte jedoch noch eine Weile ehe die ersten Badegäste auch nach Dahme vordrangen. Näheres im Link unten.


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Zur Entstehung des Ostseebades Dahme
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50 Jahre Ostseebad

1931 feierte Dahme sein 50-jähriges Bestehen als Ostseebad, dem "Bad der Ferien vom Ich", mit Strandfesten und Sportveran-staltungen. Dahme präsentiert sich mit meilenweitem, steinfreien Strand, herrlichen Laub- und Nadelwälder und - der wirtschaftlichen Lage angepasst - sehr mäßigen Preisen. 

 

Zum 50-jährigen Jubiläum wurde auch eine schon lange vergriffene Festschrift, die in großen Teilen vom Hauptschullehrer Fritz Reher in Dahme verfasst wurde, herausgegeben.

Diese 40-seitige Festschrift ist hier als Neuauflage im Download wieder zugänglich gemacht worden. Sie beschreibt sehr schön die Entwicklung des Ortes und seine Geschichte. 

Frühere Gäste geben Zeugnis davon, wie es war Gast in Dahme zu sein.

Doch Vorsicht! Es zeigt sich, dass es keinen besonderen Anlass gibt 1881 als "Gründungsjahr" für das Ostseebad Daghme zu wählen. Dahme hatte einen unvergleichlichen Aufschwung während der 1920-er Jahre erlebt und 1930 gingen die Gästezahlen stark zurück. Da kam eine 50-Jahresfeier 1931 gerade recht, um ein bisschen Aufmerksamkeit zu wecken.

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Festschrift 50 Jahre Ostseebad Dahme
Jubiläumsheft zum 50-jährigen Bestehen des Ostseebades Dahme, in großen Teilen verfasst vom Hauptschullehrer Fritz Reher. Inhalt: Gedicht von Gerd Tönnies "Das bad der Ferien vom Ich", Ostseebad Dahme und seine Entwicklung vom Fischerort zum sonnigern Badeort, Rückblick auf die geschichtliche Entwicklung des Ortes, Entwicklungsgeschichte des Seebades Dahme, Heinrich Mumm senior, De witten Wiever, Was der Arzt sagt, Dr. Lindner: Ausgerechnet Ostseebad Dahme!, Was Gäste aus vergangenen Tagen berichten, Die Sturmflut am 13. November 1872, Gedicht von Dr. Dreysel: Ostseebad Dahme, Gedicht von Karl Schulz: Das bad der Ferien vom Ich. Zahlreicher Bilder und Illustrationen.
Seebad Dahme 1931[F Reher].pdf
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Nazi-Zeit 1933 - 1945

Was geschah zur Machtergreifung in Dahme? Wie war das Leben hier während der Nazi-Zeit? Wann war der Flugzeugabsturz bei der Schleuse? Haben die Engländer wirklich Bomben auf Dahme abgeworfen? Was geschah mit den Leichen der Cap Arkona? 

Welche Kriegsgefallenen hatte der Ort zu beklagen?

Ein Blick auf diesen Zeitabschnitt anhand von Zeitungsausschnitten und Berichten. 

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Chronik des Ortes Dahme: Die Nazi-Zeit 1933 - 1945
Zusammenstellung anhand vonZeitungsausschnitten.
NAZI Zeit 1933-1945.pdf
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